Seite drucken

zurück

Pressemitteilungen

    01.07.2005Praktisch wie neu - Compact Pipe: Ein wichtiger Baustein im Göttinger Sanierungskonzept

    Praktisch wie neu - Compact Pipe: Ein wichtiger Baustein im Göttinger SanierungskonzeptDas Compact-Pipe wird auf Rolle zur Baustelle geliefertZwei Haltungen eines Abwasserkanals mit der Nennweite DN 400 hat die DIRINGER & SCHEIDEL Rohrsanierung GmbH&Co. KG im März dieses Jahres am Stauffenbergring in Göttingen mit dem Compact Pipe -System saniert. Die Vorarbeiten hierzu konnten die Teilnehmer der 5. Göttinger Abwassertage bei den interessanten Außenvorführungen in Augenschein nehmen. Der Auftraggeber, die Stadtentwässerung Göttingen, hat sich aus bautechnischen und wirtschaftlichen Erwägungen für dieses spezielle Sanierungsverfahren entschieden. Beim Compact Pipe-Verfahren wird ein c-förmig vorgeformtes HDPE-Rohr in eine gereinigte Haltung eingezogen. Druck und Wärme sorgen dann beim weiteren Arbeitsablauf dafür, dass der Inliner sich durch den so genannten Memory-Effekt „close-fit“ an die Innenwandung des alten Rohres legt. Zu den nennenswerten Vorteilen beim Einsatz von Compact Pipe zählt neben der kurzen Einbauzeit der Umstand, dass im Gegensatz zum offenen Rohrleitungsbau Aufgrabungen in der Regel entfallen. Damit halten sich die Beeinträchtigungen für die Anwohner sowie den Fußgänger- und Straßenverkehr in akzeptablen Grenzen.

    „Bereits im Frühjahr 1991 wurde in Göttingen für den Schmutzwasserbereich ein umfangreiches Kanalsanierungskonzept mit einer Laufzeit von 20 Jahren und einem geschätzten Sanierungsvolumen von ca. 60 Mio. € vorgestellt“, erläutert Dipl.-Ing. Monika Meyer, Stadtentwässerung Göttingen. Die regelmäßig durchgeführten TV-Untersuchungen belegten teilweise beträchtliche Schadensbilder. „Ziel ist es, mit neuen Techniken möglichst umweltschonend ohne Aufgrabungen und kostengünstig Kanalsanierungen zu betreiben“, so Meyer weiter. „ Deshalb kommen in Göttingen die verschiedenen modernen Technologien zum Einsatz.“ Nach Aussage der Verantwortlichen steht die Inlinertechnik – bei der ein neues Rohr in die beschädigte Haltung eingezogen wird – bei den Sanierungsverfahren an vorderster Stelle. Es wurden bereits etliche km des städtischen Kanalnetzes mit dieser Technik saniert.

    Auch bei den umfangreichen Sanierungsmaßnahmen im Ostviertel setzt die Göttinger Stadtentwässerung auf das Compact Pipe-Verfahren. Rund 5 100 m Abwasserkanäle werden seit Frühjahr 2004 sukzessive erneuert. „Die an den alten Leitungssträngen aus Steinzeug- und Betonrohren festgestellten Schäden sind sehr unterschiedlich und spiegeln häufig den Stand der Technik der unterschiedlichen Baujahre wider“, erklärt Dipl.-Ing. (FH) Thomas Reich, Ingenieurberatung Göttingen, Büro für Straßen- und Tiefbau, Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft, Städtebau, Ingenieurvermessung und SIGE-Koordination. Insbesondere Riss- und Scherbenbildung, Wurzeleinwuchs und Muffenversätze mit Undichtigkeiten prägen das Schadensbild. Der hohe Fremdwassereintrag im Stadtgebiet wirkt sich besonders negativ aus. Insbesondere für die zentrale Abwasseranlage der Stadt Göttingen sind die Folgen gravierend. „Das Schmutzwasserkanalnetz ist hydraulisch überlastet und damit die Funktionsfähigkeit der zentralen Abwasseranlage stark beeinträchtigt“, so Reich weiter. „Das führt zu hohen Betriebs- und Unterhaltungskosten, die letztendlich die Bürger in Form von erhöhten Abwassergebühren zu tragen haben.“

    Qualität wie eine Neuverlegung
    Eine langfristige Verbesserung der Situation versprechen sich Auftraggeber und Planer nicht zuletzt von dem Einsatz des Compact Pipe. Untersuchungen belegen, dass sich das Inlinerverfahren in punkto Langlebigkeit durchaus mit neuverlegten Kanalrohren messen kann. „Bereits beim Herstellungs- und Einbauprozess wird die Qualität von PE-Compact Pipe werkseitig durch Eigen- und Fremdüberwachung gesichert“, erklärt Dipl.-Ing. (FH) Martin Frey, DIRINGER & SCHEIDEL-Niederlassung Wetzlar. „Darum weist das fertige Rohr in den gewünschten Materialeigenschaften keine messbaren Schwankungen auf und die Qualität der mit diesem Verfahren eingebauten PE-Rohre entspricht neu verlegten PE-Standardrohren“. Zudem erfolgt der Einbau relativ schnell und die bei offenen Sanierungsmaßnahmen üblichen Beeinträchtigungen des Bauumfeldes halten sich in Grenzen. Zur Baustelleneinrichtung zählen neben einem Materialwagen und dem Fahrzeug mit dem Kessel für die Dampferzeugung der Überwachungswagen für die Kanalroboter. Das Compact Pipe wird auf Rolle zur Baustelle geliefert. Im Einbauzustand verfügt es über die verfahrenstypische Falte, die den Querschnitt des Rohres um bis zu 35% reduziert. „Dieser Umstand erleichtert das Einziehen in die zu sanierende Leitung erheblich“, so Frey weiter. Nach dem Einzug wird das PE-Rohr unter Druck mit Dampf erwärmt und beim Erreichen der erforderlichen Temperatur in das ursprüngliche runde Profil rückverformt.“ Der Liner nimmt somit wieder seine ursprünglich kreisrunde Form an.

    Close-fit an das Altrohr
    Im Vorlauf der Sanierung wird eine TV-Untersuchung durchgeführt und das zu sanierende Rohr auf seinen Zustand überprüft. „Hierbei festgestellte Hindernisse wie zum Beispiel. Ablagerungen oder einragende Stutzen werden mit einem Roboter bündig mit der Innenwandung des Altrohres zurückgefräst“, beschreibt Vorarbeiter Holger Bethge, DIRINGER & SCHEIDEL Rohrsanierung GmbH&Co. KG, den Ablauf der Sanierung. „Unmittelbar vor dem Liner-Einzug wird das Altrohr unter Einsatz eines HD-Spülfahrzeuges rückstandslos gereinigt.“ Danach wird ein Zugkopf an den PE-Rohrstrang geschweißt und das Compact Pipe in den vorhandenen Einstiegsschacht eingeführt. Nachdem beide Rohrenden druckfest verschlossen sind, wird die Haltung mit heißem Dampf beschickt. Der Druck ist abhängig von Dimension und Wandstärke des verwendeten Rohres. Am Compact Pipe angebrachte Fühler messen während der Einbauphase permanent Innen- und Außentemperatur. „Die Erwärmung löst den so genannten Memory-Effekt aus, durch den das eingezogene Rohr den Außendurchmesser des extrudierten Rohres erreicht“, so Bethge. Die Dauer der Erwärmungsphase ist von Parametern wie Wandstärke, Nennweite und Länge des Rohres abhängig. Das Ergebnis: Während der Erwärmungsphase wird es „close-fit“ an die Wandung des zu sanierenden Rohres gedrückt und durch die spätere Abkühlung in seiner ursprünglichen kreisrunden Form fixiert. Abschließend werden in den Schachteinbindungen mindestens 20 mm dicke PE-Halbschalen mit einem elektrischen Schweißgerät auf dem Inliner-Rohr befestigt, um die endgültige Lagesicherung des Inliners zu gewährleisten.

    Ausblick
    Das Göttinger Schmutzwasserkanalnetz ist bereits zu über 50 % saniert. Liner-Verfahren waren immer ein fester Bestandteil der Sanierungsstrategie. Seit 2003 haben Probleme mit einigen anderen Verfahren eine Veränderung der Entscheidungen in Richtung PE-Relining bewirkt. PEHD-PE80-Leitungen der SDR-Stufe 17,6 gehören bereits seit 1988 zum festen Bestandteil des Göttinger Konzeptes. Daher war die Entscheidung zum PE-Liner eine konsequente Weiterentwicklung zu einheitlich „dichten“ Systemen. Eine Besonderheit im PE-Relining stellen in Göttingen die Hausanschlüsse dar. Diese werden ausschließlich in offener Bauweise mit Sattel hergestellt.
    Thomas Martin Kommunikation